Hallo Zusammen,
wir halten diesen Redebeitrag als Zusammenschluss von Mitarbeitenden der Projekte Queeres Zentrum Erfurt, Q*rage – Fachstelle Queere Antigewaltarbeit in Thüringen, Queeres Jugendzentrum QuWeer in Weimar und der LSBTIQ*-Koordinierungsstelle „Vielfalt in Thüringen“
Wie jedes Jahr gibt es auch heute, am feministischen Kampftag 2026, Millionen Gründe, hier zu stehen, laut zu sein und unsere Wut auf die Straße zu tragen.
Schauen wir der politischen Lage ins Gesicht: In Deutschland wird die Wehrpflicht wieder eingeführt, der Sozialstaat wird mehr denn je abgebaut, die Zahl der Wwohnungslosen Menschen steigt, die Dunkelziffer der Gewalttaten in Partner:innenschaften ist unendlich hoch, der Rechtsruck ist Alltag. Wir haben jeden Grund wütend zu sein!
Der 8. März ist ein historisch bedeutender Tag. Vom Frauenwahlrecht bis zum Kampf gegen Ausbeutung in der Textilbranche – was einst ein spezifischer Frauentag war, ist inzwischen ein intersektionaler Kampftag, der auch untrennbar mit der Geschichte und den Kämpfen von trans*, inter* und nichtbinären Aktivist*innen verbunden ist.
Warum wir das betonen? Weil wir oft von FLINTA* (Frauen, Lesben, inter*, nichtbinär, trans* und agender Menschen) sprechen. Die meiste Zeit nutzen wir dieses Akronym aber nur als politisch korrekte Alternative zu „Frauen“. Sprache schafft Realität und Sichtbarkeit – dort darf es aber nicht aufhören! Wir müssen auch über strukturelle Ungleichheiten sprechen und diese sichtbar machen, um sie verändern zu können.
Wo bleibt der Aufschrei der Gemeinschaft, wenn die EMMA, die Zeitschrift von Alice Schwarzer, TIN*-Personen als Täter*innen inszeniert, von „Gender-Lobby“, Frühsexualisierung und weiteren rechten Narrativen spricht? Wo bleibt der Aufschrei, dass eine kommunale Gleichstellungsbeauftragte Teil eines trans*feindlichen Vereins ist? TIN*feindlichkeit ist kein seltenes Phänomen, TIN*feindlichkeit ist Teil eines kapitalistischen Systems und überall vertreten.
Wir sehen es jeden Tag – Trans*feindlichkeit ist salonfähig und präsent, die Gewalt gegen Queers nimmt stetig zu. Sorgearbeit, Lebensrealitäten und Gewalterfahrungen von TIN*-Personen sollen unsichtbar gemacht und die staatliche Kontrolle über Körper, zB durch strikte Toilettentrennung und Zugänge zu Frauen*häusern, verstärkt werden. Trans* exklusiver Feminismus ist staatserhaltend, kapitalistisch und führt zu keiner Befreiung. Denn er bestärkt und erhält ein binäres Geschlechtersystem, mit dessen Hilfe das kapitalistische System überhaupt funktioniert. Das ist alles andere als radikal!
Das sehen wir auch im Bezug auf Maja T.: Maja hat kein rechtsstaatliches Verfahren in Ungarn erlebt, Maja wird stattdessen als Täter*in dargestellt, deren Identität Maja Vorteile erschleichen soll. Wir fragen uns: Welche Vorteile? Etwa den erschwerten Zugang zu medizinischer Versorgung? Die schrecklichen Bedingungen, unter denen Maja in Budapest inhaftiert ist? Wie kann es sein, dass die geschlechtliche Identität, mit der Maja als nichtbinäre Person zu einer benachteiligten und meist unsichtbaren Minderheit gehört, in seiner Glaubwürdigkeit zur Debatte steht? Wo bleibt der Schutz für TIN*-Personen wie Maja, erst Recht in einem autoritären Staat wie Ungarn, den selbst deutsche Gerichte als trans*feindlich bezeichen?
Auch in feministischen Räumen müssen wir darüber reden, welche Zugänge TIN*-Personen haben, welche Strukturen und Ausschlüsse reproduziert werden. Nur wenn wir von FLINTA* sprechen, bedeutet das nicht, dass TIN*-Menschen wirklich mitgemeint und mitgedacht sind.
Lasst uns darüber sprechen, welchen Feminismus wir vertreten wollen, welche Barrieren wir abbauen können, wie wir uns gegen Staat und Kapital außerhalb eines binären Geschlechtersystems organisieren können. Lasst uns gemeinsam kämpfen, Seite an Seite gegen Spaltung, gegen Gewalt und gegen die Unterdrückung unserer Stimmen. 8. März ist alle Tage!

